Berlin: Auswertungsbericht Silvester zum Knast 31.12.2025

Am Abend des 31. Dezember versammelten wir uns in Moabit in Berlin, um an Silvester gegen Knäste, Ausgrenzung und staatliche Repression zu demonstrieren. Wütend aber auch noch in guter Laune versammelten sich ca. 250 Personen am U-Bhf. Turmstr. Neben Redebeiträgen zu Gefangenen, Solidarität, Repression, institutionellem Rassismus, Abschiebehaft, Aussageverweigerung & Zeugenvorladungen und verschieden Grußworte von (ex) Gefangenen und Gruppen gab es heißen Tee (vielen dank an die Struktur!) und eine kleine mobile Schreibwerkstatt für Gefangene.

Wenige Meter nachdem sich die Demonstration in Richtung JVA Moabit auf den Weg gemacht hat kam es zu dem ersten Bullenübergriff aufgrund von Pyrotechnik, bei dem 2 Personen mitgenommen worden sind. Bis zu dem Zeitpunkt als klar war, dass die Schikane über eine Personalienfeststellung nicht hinausgeht und die Personen zur Gefangenensammelstelle (GeSa) gebracht wird, zeigte sich die Demonstration solidarisch und wartete lautstark an der Kreuzung Stromstraße/Turmstraße. An dieser Stelle ein fettes Danke an den Berliner EA, der wie jedes Jahr diese Demo unterstützt hat!*

Immer wieder kam es im Verlauf der Demo zu Schikanen und Provokationen seitens der Bullen, bis sie die Demonstration am ersten Zwischenkundgebungsort (Rathenower Str./Alt-Moabit) eskalierten und unter dem Vorwand des Böllerns und Pyrotechnik die Demo erneut massiv angriffen. Infolge dieser Angriffe wurden mind. 4 weitere Demonstrierende festgenommen. Die Festnahmen dienten offensichtlich der Einschüchterung. Es ist wichtig zu erwähnen, dass ein Großteil der Festgenommenen ersichtlich aus palästina-solidarischen Kreisen kamen. Trotz der Repression blieb die Demonstration handlungsfähig und setzte ihre Inhalte weiter sichtbar durch.

Nachdem es die letzten Jahre keine Festnahmen auf der Silvester-zum-Knast-Demo gab, obgleich eine steigende Aggressivität seitens der Bullen festgestellt werden kann (nicht zu vergessen die Vorkontrollen vor zwei Jahren mit MPs), zeigte es sich dieses Jahr, dass es auch bei der Silvester-Demo zu Überlegungen kommen muss, wie wir uns auf der Demo schützen und uns nicht von den Bullen auseinandertreiben lassen. Das der Lautsprecherwagen während der Eskalation z.T. nicht geschützt war, ist nur ein augenscheinlicher Ausdruck dafür, dass wir auch Silvester als politische Aktion begreifen müssen und frühere Überlegungen zu Demosicherheit in Vergessenheit geraten sind. Wir als Vorbereitungsgruppe stehen damit auch in der Verantwortung eine bessere Kommunikation während der Aktion zu gewährleisten, sowie im Vorfeld den politischen Charakter der Demonstration klarer herauszuarbeiten.

Nachdem die Bullen sich ein Stück zurückgezogen hatten und die meisten vom Gehsteig sich wieder auf der Straße sammelten entschieden wir dem mittlerweile sich fast gebildeten Kessel zu entkommen und die Zwischenkundgebung vorzeitig abzubrechen. Die zweite Zwischenkundgebung 300 Meter weiter bot eine gute Möglichkeit für Personen um gut wegzukommen. Dort sollte noch der Live-Auftritt des Rappers Flaiz folgen, den er frühzeitig abbrechen musste, da die Bullen Lärmbelästigung (zu Silvester!) als Vorwand zu nutzen, damit wir (unter Androhung der Konfiszierung der Musikanlage) die Lautstärke immer weiter nach unten regulieren mussten. Da sich die Demo mittlerweile halbiert hatte, gab es nicht die Möglichkeit diesem Androhen standzuhalten.

Trotz der Bullenschikane konnte Kontakt zu einzelnen Gefangenen hergestellt werden und es wurden auch vereinzelt Postkarten geschrieben. Zurück bleibt die klare Erfahrung: Solidarischer Protest ist notwendig – und wird aber auch deswegen kriminalisiert. Lasst uns lernen, wie wir wieder giftiger werden.

Habt ihr Repression im Rahmen der Demo abbekommen oder solltet ihr einen Brief von den Bullen/Staatsanwaltschaft erhalten – meldet Euch bei dem Vorbereitungskreis , dem Berliner EA oder der Roten Hilfe .


Aufruf 2025

SILVESTER AM KNAST 2025 GEGEN STAAT, KNAST & KAPITAL!

Dezember | 22:00 Uhr | U-Bhf Turmstraße

Draußen Feuerwerk – drinnen Gitter. Während die Stadt das neue Jahr mit Böllern und Sekt begrüßt, sitzen hinter Mauern Menschen in Isolation – eingesperrt wegen Armut, der Kriminalisierung von Flucht oder Widerstand. Draußen wird gefeiert, drinnen herrschen Kontrolle und Repression.

Knäste sind kein Ort der Gerechtigkeit. Sie sind Werkzeuge eines Systems, das Armut, Migration und Auflehnung kriminalisiert, weil es sie braucht. Das Patriarcht in seiner momentan kapitalischen Form stützt dieses Zwangssystem. Polizei, Justiz und Knäste dienen der Aufrechterhaltung dieser Ordnung. Sie sollen einschüchtern und brechen.

Repression trifft eininge – aber ist eine Drohung an uns alle! Razzien, Ermittlungen, Polizeigewalt und Verhaftungen zeigen: Der Staat fürchtet Solidarität und Widerstand. Unsere Antwort lautet: Solidarität statt Angst! Wir vergessen niemanden, der oder die eingesperrt ist – ob wegen politischem Engagement, Flucht oder sozialer Not. Im besonderen grüßen wir unsere Genoss:innen und alle Kämpfenden hinter Gittern!

Wir Gedenken dem vor 5 Jahren in der JVA Moabit ermordeten Ferhat Majouf. Schluss mit Abschiebehaft, rassistischer Polizeigewalt und Justizwillkür – Solidarität mit allen, die sich den staatlichen Angriffen widersetzen!

Widerstand ist international! Weltweit kämpfen Menschen um Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit. Ob in Palästina, Chiapas, Al-Fashir, der Westsahara oder Kurdistan: ihr Widerstand ist Teil des globalen Kampfes gegen Unterdrückung und für Selbstbestimmung. Wir stehen an ihrer Seite!

Kommt mit Wut, Liebe und Entschlossenheit! Wir bringen unsere Stimmen, unser Feuer und unsere Solidarität vor die Mauern – damit die drinnen hören: Ihr seid nicht allein!

GEGEN KNÄSTE, BULLEN, GRENZEN UND KAPITAL! FÜR EINE SOLIDARISCHE WELT OHNE HERRSCHAFT UND STRAFE!

  1. Dezember 2025 – 22 Uhr – U-Bhf Turmstraße

LAUT – WÜTEND – SOLIDARISCH – UNVERSÖHNLICH!

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